Peter Welk - Gedichte und Geschichten

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O Traum, der mich entzücket

O Traum, der mich entzücket!
Was hab ich nicht erblicket!
Ich warf die müden Glieder
In einem Tale nieder,
Wo einen Teich, der silbern floss,
Ein schattigtes Gebüsch umschloss.

Da sah ich durch die Sträuche
Mein Mädchen bei dem Teiche.
Das hatte sich zum Baden
Der Kleider meist entladen,
Bis auf ein untreu weiß Gewand,
Das keinem Lüftchen widerstand.

Der freie Busen lachte,
Den Jugend reizend machte.
Mein Blick blieb sehnend stehen
Bei diesen regen Höhen,
Wo Zephir unter Lilien blies
Und sich die Wollust greifen ließ.

Sie fing nun an, o Freuden!
Sich vollends auszukleiden;
Doch, ach! indems geschiehet,
Erwach ich und sie fliehet.
O schlief ich doch von neuem ein!
Nun wird sie wohl im Wasser sein

Johann Peter Uz

Das “Lied vom Traum”
ist Teil der Hildener Fassung des
“Simplicius Simplicissimus”
die am 20./21. Februar 2010
 uraufgeführt wurde
>>> www.hildenerteteatete.de



Szene und Lied
 sind als Mitschnitt der Uraufführung
hier abrufbar   >>>




SIMPLICIUS    Peter Welk
ERZÄHLERIN    Eva-Maria Coenen
Komposition Thomas Peter-Horas




 

Edouard Manet: Die überraschte Nymphe

Edouard Manet: Die überraschte Nymphe

SIMPLICIUS
… und so geschahs denn, dass ich nun endlich auf heimliche Näh mit den Frauenzimmern in Bekanntschaft kam. Meine Lieder hatt ich auf mancher Gesellschaft schon hören lassen, und mein Gesang hielt auch bald schon die allersperrigste Jungfer gefangen. Und sah mich jetzt eine mit schönen Augen an, so wusst ich meinen Buhlenversen, die ich in nachtlanger Arbeit jetzt selber machte, so anmutige Blick und Gebärden anzumischen, dass sich die Hübsche darüber blitzeseilig in mich verguckte und vernarrte.

ERZÄHLERIN
So kehrte der Simplicius dem Kriegshandwerk den Rücken. Fortan war’s ihm nun ganz und gar um die Weiberwelt zu tun, und ob er gleich bei einer oder der andern nicht fand, was er suchte …

SIMPLICIUS
… denn da gabs auch noch etliche, die sich mir weigerten …

ERZÄHLERIN
… so fand er endlich doch den Weg zu allen.

SIMPLICIUS
Und zeigt mir eine ihre Gunst, sagt ich ihr von den andern, ich sei dort wohl zum Gänsessen eingeladen oder zu Geplauder und Konfekt – zum holdseligen Anschmeicheln aber nur zu ihr gekommen. Also dass ich zu gleicher Zeit auch einmal sechse hatte, die mich liebten und ich sie hinwiederum auch …

ERZÄHLERIN
… doch hatte keine sein Herz oder gar den Simplicius ganz. An der einen gefielen ihm die schwarzen Augen, an der andern die goldgelben Haar …

SIMPLICIUS
… an der dritten die samtene Haut, an der vierten der schmelzende Blick …

ERZÄHLERIN
… an der fünften das girrende Lachen …

SIMPLICIUS
… an der sechsten die wogende Brust, wenn das Frauenzimmer nach einem Besuch bei ihr in nächtlichem Traum mir dann noch einmal begegnete.

LIED
Oh, Traum der mich entzücket ...

ERZÄHLERIN
Wenn das Glück einen stürzen will, so hebt es ihn zuvor in alle Höhen.

SIMPLICIUS
So auch mich. Denn, wo meine Liebe hinfiel, da bekam ich leicht und ohn Mühe, was ich begehrt. Es blieb mir aufs Erste erspart, in Ängsten zu schmachten, in Zorn und Rachgier und Eifersucht den Tod herzuwünschen, wie ich es aus den Büchern kannte. Aber eines Sonntagmorgens dann, zur Kirch hin war ich ihr nachgegangen, hatt mich hinter ihr auf die Bank gekniet, stiefelt ihr ohn Aufsehen heimlich die Kirch wieder hinaus, eine Wunderschöne! Tochter eines Offiziers, wie ich Tags zuvor schon erfragt! Und ich folg ihr zu ihrem Haus und seh sie jetzt wie in all meinen Wünschen nah und leibhaftig vor ihrer Tür so ganz ungefähr in den Himmel hoch schauen! Ich lass ein Räuspern hören, werf ihr Blicke hin, hust auch ganz plötzlich und grob – aber sie sieht nicht zu mir her! Ich bring einen langen Seufzer an, wie ichs meisterlich konnte, auch wenn er vielleicht aus falschem Herzen kam, der Seufzer, so kommt er jetzt doch holdselig und wahr – und sie überhörts! Lässt mich kaltsinnig stehn und wirft mir vor der Nasen die Haustür zu. Ein Frauenzimmer, das sich mir nicht öffnen will, das ich nicht verführ, das mir das Blut in den Kopf schießen lässt, eine Wunderschöne, die mich nicht will – auf dass mein Begehren nach ihr um so heftiger wird!
 

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